Vor 50 Jahren wurden Nieder- und Obergondershausen vereinigt

Mit Verfügung des Landratsamtes St. Goar vom 25. März 1969 wurden die Gemeinden Nieder- und Obergondershausen aufgelöst und mit Wirkung vom 01. April 1969 die neue Gemeinde Gondershausen gebildet. Der Verfügung vorausgegangen war ein Beschluss der Bezirksregierung Koblenz vom 01.10.1968, der im Zuge der damaligen Verwaltungsreform die Auflösung der bisherigen Gemeinden und die Neubildung der Gemeinde Gondershausen verfügte. Die Gemeinderäte der beiden Gemeinden hatten sich bereits im Jahre 1968 für einen Zusammenschluss ausgesprochen, da es auch schon damals eine „Hochzeitsprämie“ vom Land Rheinland-Pfalz gab und man im Zuge der Verwaltungsreform mit einem von oben verfügten Zusammenschluss rechnete. Gleichzeitig mit der Bildung der neuen Gemeinde wurde der bisherige Ortsbürgermeister der Gemeinde Niedergondershausen, Horst Becker, zum Beauftragen der neuen Gemeinde bestellt, um den geordneten Gang der Verwaltung zu gewährleisten. Er konnte nun ohne Gemeinderat bis zur nächsten Kommunalwahl am 08. Juni 1969 die neue Gemeinde verwalten. Seine schönste Zeit als Ortsbürgermeister, wie er mir später berichtete. Die Zusammenlegung der beiden Gemeinden war in den 1950er und 1960er Jahren in den Gemeinderäten immer wieder teils kontrovers diskutiert worden. Dabei spielte die unterschiedliche Wirtschafts- und Steuerkraft eine große Rolle. Das Niederdorf hatte eine größere Einwohnerzahl und eine größere Gemarkungsfläche sowie eine erheblich größere Waldfläche. Auch waren hier mehrere Gewerbebetriebe ansässig. Die beiden Orte waren nach dem 2. Weltkrieg durch die Bebauung der Baulücken an der Schulstraße und der Rhein-Mosel-Straße zusammengewachsen. Man hatte seit 1928 eine gemeinsame Wasserversorgung, an die auch die Nachbargemeinden Beulich und Morshausen angeschlossen waren. Der Bau der neuen Volksschule zwischen den Orten in der Schulstraße im Jahre 1958 hatte auch zum Zusammenwachsen beigetragen. Die alten Schulen, der Kindergarten und die neue, 1959 eröffnete Volksschule wurden von Kindern aus beiden Orten gemeinsam besucht. Man kannte sich und hatte auch Gemeinsamkeiten in der überwiegend katholischen Konfession und der Pfarrei sowie in den Vereinen. Viele Familien waren verwandtschaftlich verbunden. Anfang der 1960er Jahre hat man beide Orte kanalisiert und eine gemeinsame Kläranlage gebaut. Trotzdem gab es vor allem bei älteren Einwohnern im Niederdorf Vorbehalte, gegen einen Zusammenschluss, da man Angst hatte, die Schulden des Oberdorfes übernehmen zu müssen. Die unterschiedliche Größe und Finanzkraft der beiden Orte war historisch bedingt und lange Zeit ein Hindernis für den Zusammenschluss. Während das Niederdorf rundum von Feldflächen und Wald umgeben war, bildete das Oberdorf mit seinen abgelegenen Feldflächen im Westen einen Schlauch in Richtung Schorfeld.  Auch hatte man nur wenige Waldflächen und konnte nur einen geringen Gewinn aus dem Wald erlösen. Der Wald war damals der Brotkorb der Gemeinden und diente der Finanzierung der Gemeindeausgaben. Rückblickend auf die gemeinsamen Jahre kann man feststellen, dass der Zusammenschluss für beide Gemeinden viele Vorteile brachte und man heute vergessen hat, dass es bis vor 50 Jahren noch zwei getrennte Ortsgemeinden gab.

 

Quellen: Chronik von Gondershausen aus dem Jahre 1997 sowie die Festschrift von Pfarrer Alois Dorweiler anlässlich der Einweihung der St.-Werner-Schule am 05.10.1959 und eigene Erlebnisse

TextEwald Schuhmacher

 

Vorankündigung:

Die Ortsgemeinde plant für den 23.11.2019 eine Jubiläumsfeier anlässlich der „Goldhochzeit“ der Gemeinden. Zusammen mit dem Musikverein Gondershausen, der auch seit 50 Jahren existiert,  sollen diese wichtigen Ereignisse gewürdigt werden. Außerdem laufen die Vorbereitungen, dass an diesem Tag der „Bildband von Gondershausen“ der Bevölkerung vorgestellt werden kann.

Markus Landsrath, Ortsbürgermeister

Datum: 
24/03/2019